23. September 2026

Die gewaltfreie Kommunikation und die Realität

Wir von Vielfalt Spricht wollen ehrlich mit Ihnen sein *schaut ängstlich in die Runde, bevor sie weiterschreibt*: Wir reden nicht immer gewaltfrei.
Jetzt ist es raus.
*Wartet, bis irgendwo irgendwas explodiert*.

Ich, Katharina von Vielfalt Spricht, hab am Wochenende Kawaii-Metal entdeckt. Eine Verbindung von Metal- und J-Pop.
Ist wie Kaffee mit Essig.
Ungenießbar.
Wahrer Metal hat so ein Subgenre nicht verdient.

Natürlich ist meine Ansicht subjektiv. Ich will mich nicht mit Ihnen darüber streiten. Aber ich will mich mit den Initiator:innen dieses Genres streiten. Mit Wertungen, Vorwürfen und einem lauten: „Was stimmt denn nicht mit euch?“ Dann möchte ich missbilligend den Kopf schütteln und beleidigt von dannen ziehen.

Warum? Das fragen Sie noch?
Musik ist ein Lebensgefühl und damit eine ernstzunehmende Sache. Unstrittig: Musik ist Kunst!
Adorno spricht übrigens von der Autonomie der Kunst. Sie muss sich meinem Geschmack also nicht unterordnen.
D.h. dieses Genre braucht meine Erlaubnis nicht.
Schade.

Ich richte den Blick also auf mich:
M. Rosenberg, der Begründer der Gewaltfreien Kommunikation, würde mich fragen, was gerade in mir lebendig ist. Ich würde von einem drückenden Gefühl in meiner Brust erzählen. Von Wut, Abneigung. Und von meinem dringenden Wunsch, dass jemand diese Musik ausmacht.
Dann würden wir wohl nach den Bedürfnissen suchen, die sich darin bemerkbar machen. Erwähnte ich schon, dass mich die Inszenierung von Weiblichkeit in diesem Genre irritiert? Da könnte ich ansetzen.

Slavoj Žižek erinnert uns daran, dass wir uns selbst nicht vollständig durchschauen. Was uns antreibt, ist uns nicht immer bewusst.
Herr Rosenberg, wie soll ich Ihnen von meinen Bedürfnissen erzählen, wenn ich selbst noch gar nicht verstehe, was mich gerade antreibt?

Das ist auch in unseren Schulungen das größte Fragezeichen.
„Ich weiß doch gar nicht, was mein Bedürfnis ist. Ich weiß nur, dass es mich aufregt.“ Das ist ein Anfang! Selbstklärung braucht Geduld.
Ich bemerke die Enge in meiner Brust, höre meine Gedanken und suche nach Worten. Ich finde eine erste Erklärung und korrigiere sie später.
Und ich prüfe: Geht es mir wirklich um diese Musik?

Ich stelle fest: Wenn ich meine ganze Energie darauf verwende, mich über ein Genre aufzuregen, wende ich den Blick von mir selbst ab. Dann eröffnet meine Wut einen Nebenkriegsschauplatz, auf dem ich mich wunderbar beschäftigen kann, ohne mir selbst näherzukommen.
Deshalb ist es wichtig, die eigenen Gedanken zu hinterfragen:
Was sind meine Erwartungen, meine Verletzlichkeit und was ist mir wichtig?

Gewaltfreie Kommunikation beginnt mit diesem ehrlichen Hinschauen.
Selbst, wenn es in meinem Kopf noch ziemlich ungewaltfrei zugeht. Zugegeben: Es ist tierisch anstrengend. Darum sind wir nicht immer gewaltfrei.

Manchmal regen wir uns lieber über schlechte Musik auf oder kippen uns gegenseitig Essig in den Kaffee.
Um uns zu necken.
Einfach so.
Einen Schluck gefällig?
Grischa Drespa teilt gerne mit Ihnen.