Neulich habe ich, Katharina von Vielfalt Spricht, unser Format vor großem Publikum vorgestellt: Respektvoll miteinander!
Bei „Respekt“ handelt es sich um so ein Wort, dass du zusammen mit seinen Geschwistern, „Wertschätzung“ und „Augenhöhe“ an jeder Straßenecke hörst. Vorgebracht in der tiefsten Selbstgerechtigkeit korrekten Verstehens und normierter Umsetzung. Der Brunftschrei außenkommunizierter Selbstwahrnehmung lautet: „Natürlich bin ich respektvoll, die anderen sind es nicht“.
Frage ich dann aber, was Respekt dem Grunde nach bedeutet und welche Handlungsanleitung er vorgibt, dann wird es ruhig im Raum. Abseits des ein oder anderen Ausweichmanövers in Richtung anderer fancy Begriffe herrscht hier Vagheit der eigenen Interpretation, die immer auf dem persönlichen Erfahrungsschatz basiert.
Unglücklicherweise ist Vagheit keine zu unterschätzende Angelegenheit. Vagheit ist genau genommen der Erzgegner einer nach Klarheit und Transparenz strebenden Haltung. Zudem ist sie Symptom einer egozentrierten Kommunikation, die ihre Sätze am liebsten mit einem „…ist doch selbstverständlich…“ abschließen würde. Ja, genau mit diesen drei Pünktchen, die noch viel mehr an verdecktem Inhalt transportieren.
Es ist aber nicht selbstverständlich.
In der intrapersonalen, interpersonellen, der interkulturellen Begegnung ist nichts selbstverständlich, solange es nicht klar an- und ausgesprochen wird. Das wiederum anzunehmen, ohne es durch den Anderen bestätigt zu wissen, ist respektlos. Warum? Das wusste bereits Kafka, als er sagte:
„Wenn du vor mir stehst und mich ansiehst, was weißt du von den Schmerzen, die in mir sind, und was weiß ich von deinen? Und wenn ich mich vor die niederwerfen würde und weinen und erzählen. Was wüsstest du von mir mehr, als von der Hölle, wenn dir jemand erzählt, sie ist heiß und fürchterlich. Schon darum sollten wir Menschen voreinander so ehrfürchtig, so nachsichtig stehen, wie vor dem Eingang zur Hölle!“.
Ich sage, Ehrfurcht und Nachsicht sind nicht einmal nötig. Es reicht eine offene und klare Ansprache, eine anspruchsbefreite Erwartung, die klar und herzlich Verbindung knüpft, indem sie die Gesamtheit des vor mir stehenden Menschen anerkennt.
In seiner Rolle.
In seiner Persönlichkeit.
In meiner Beziehung zu ihm.
Das ist Respekt für mich. Was ist es für Sie?
Notabene: In meinen Schulungen rede ich natürlich nicht derart schwülstig geschwollen daher. Das erlaube ich mir nur hier, aus Profilierungsgründen, um kompetent zu wirken. Denn Sie wissen ja: Ich bin Literaturwissenschaftlerin dem Ursprung nach, also ist es doch selbstverständlich…..