Oberschlesisch – oder wie wir sagen: Ślōnskŏ Gŏdka.
Das ist keine Hochsprache – es ist eigentümlicher Klang, Identität und Geschichte in einem Atemzug. Eine Sprache, die irgendwo zwischen zwischen Polen, Deutschland und Tschechien, zwischen Hütten und Gruben, Sonntagsklößen aus geriebenen Kartoffeln und slawischer Melancholie geformt ist.
Wörter wie klapsznita, nudelkula oder ajnszlag erzählen von deutschem Einfluss. Die Satzmelodie wirkt manchmal tschechisch, das Herz aber schlägt polnisch – und alles zusammen klingt für mich nach Zuhause: Chlebek z szpyrkami und kapusta mit kwas.
Offiziell? Eine „Mundart“.
Emotional? Ein Heimatgefühl.
Politisch? Ein Statement.
Mehr als eine halbe Million Menschen nennen sie heute ihre Sprache, die seit 2011 den Minderheitenstatus in Polen erhalten hat, aber nicht als eigenständige Sprache anerkannt ist. Der oberschlesische Dialekt (ślōnskŏ gŏdka / ślōnski) gehört zum westslawischen Zweig, genauer zu den Lechischen Sprachen wie Polnisch, Kaschubisch und dem ausgestorbenen Polabischen. Er wird oft als Dialekt des Polnischen klassifiziert, von vielen Sprecher*innen und Linguist*innen aber als eigene Sprache betrachtet, da er über eine starke Eigenständigkeit in Wortschatz, Grammatik und Aussprache verfügt.
Unvergessen mein Einkaufserlebnis in Gdansk, wo ich sprachnaiv und erfolglos in einem Laden für Einrichtungsgegenstände eine zygófka kaufen wollte, weil ich nicht wusste, dass die „echten“ Pol*innen diese nur als podószka kennen.
Und heute, knapp 20 Jahre später, begegnet mir diese Nudelpackung, die einen guten Eindruck darüber gibt, welches Selbstverständnis diese Sprache hat, mit der ich großgeworden bin: Eine vertonte, interkulturelle Begegnung, die keine nationalen Grenzen wahrt. Richtig dobrŏ gŏdka.